10.09.2009 SCHÖNKIRCHEN. Mit vereinten Kräften für einen besseren Meeresschutz: Vier Unternehmen aus Schleswig-Holstein wollen im Schulterschluss mit der Fachhochschule (FH) Flensburg und mit Unterstützung des Landes ein Managementsystem für Ballastwasser entwickeln. Wie Wirtschaftsminister Dr. Jörn Biel heute (10. September 2009) bei der Übergabe von Förderbescheiden in Höhe von insgesamt 1,9 Millionen Euro an die Betriebe und die FH sagte, werde mit dem Projekt nicht nur ein großer Schritt für den Umweltschutz getan, sondern auch in vorbildlicher Weise Technologietransfer praktiziert. Hintergrund des Projekts ist eine Vorschrift der International Maritime Organisation (IMO), wonach Schiffe bis spätestens 2016 eine so genannte Ballastwassermanagementanlage an Bord haben müssen.
Nach den Worten von Biel werden auf Schiffen weltweit jährlich über zehn Milliarden Kubikmeter Ballastwasser in Doppelboden- und Seitentanks zur Stabilisierung gepumpt und später – zum Teil auf anderen Kontinenten – wieder gelenzt. Bakterien, Algen, Krebse, Fische oder andere Lebewesen fänden so weltweit Verbreitung und könnten einheimische Arten verdrängen oder sogar für den Menschen gefährliche Krankheiten mit sich bringen. Die durch Ballastwasser entstehenden Schäden werden weltweit auf bis zu 36 Milliarden Euro jährlich geschätzt. „Nur mit neuer umweltfreundlicher und energieeffizienter Technologie kann hier gegengesteuert werden und sich die maritime Wirtschaft in Schleswig-Holstein ihren Anteil an dieser Wachstumsbranche sichern“, sagte Biel.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf mehr als 3,4 Millionen Euro. Die vier Unternehmen erhalten einen Zuschuss von 50 Prozent, die Fachhochschule Flensburg einen Zuschuss von 90 Prozent. Im Einzelnen überreichte Biel dem Forschungs-Quintett folgende Zuwendungsbescheide:
o Medizintechnik Promedt, Tornesch (Förderung 1,2 Mio. Euro)
o MariLim Gewässeruntersuchung, Schönkirchen (Förderung 160.000 Euro)
o DW-Ship-Consult, Schwentinetal (Förderung 54.000 Euro)
o Büro für Umwelt&Küste; Kiel (Förderung 134.000 Euro)
o Fachhochschule Flensburg (Förderung 449.000 Euro)
Wie Biel weiter sagte, bestünden die Vorteile des neu zu entwickelnden Systems unter anderen in mehr Sicherheit an Bord, da keine Chemikalien eingesetzt werden müssen sowie im geringen Platzbedarf und der Möglichkeit, eines nachträglichen Einbaus.
Hintergrundinformationen:
Rechtliche Rahmenbedingungen:
Die Behandlung der großen Mengen von Ballastwasser ist ein wichtiges Element des Meeresschutzes. Die International Maritime Organization (www.imo.org), der »Schifffahrtszweig« der Vereinten Nationen, hat einen Standard definiert, nach dem alle Schiffe bis 2016 eine Ballastwasseranlage betreiben müssen. Damit diese weltweit verbindlich wird, müssten ihr 30 Staaten beitreten, die 35 Prozent der weltweiten Handelstonnage repräsentierten. Bisher haben 18 Staaten mit 15 Prozent der Handelstonnage (ohne die BRD) diese IMO-Konvention ratifiziert. Alle 27 Länder der EU haben sich geeinigt, die Konvention möglichst bis 2011 aber nicht später als 2013 zu ratifizieren. www.imo.org
Technische Anforderungen der internationalen maritimen Organisation (IMO):
o keine Beeinträchtigung der Sicherheit des Schiffes und der Besatzung
o Wirtschaftlichkeit
o keine oder nur geringste schädliche Auswirkungen auf die Umwelt
o praktikable Anwendung an Bord
Wirtschaftliches Potenzial:
Bis 2016 müssen bis zu 40.000 Schiffe mit Ballastwasserbehandlungsanlagen ausgerüstet werden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat bislang zwei neu entwickelte deutsche Systeme zugelassen. Neben europäischen Entwicklungen gibt es Anbieter hauptsächlich aus Korea, Japan und USA, die jedoch alle mit anderer Technologie das Ballastwasser aufbereiten. www.bsh.de
Technisches Verfahren:
Das weiter zu entwickelnde, bereits mehrfach patentierte Verfahren stellt eine Schall-Lichtkoppelung für die Wasseraufbereitung und Wassererhaltung dar, in dem durch verschiedene hochfrequente Schallquellen physikalische Prozesse hervorgerufen werden, die chemische Reaktionen zur Folge haben: Das Zusammenspiel von UV-Licht und Ultraschall in einer abgestimmten geometrischen Einheit, dem Reaktor, stellt die Grundlage für die hohe Effizienz (Kosten, Nutzen, Gewicht etc.) dieses Verfahrens dar. Mit geringstem Energieaufwand werden Wasserstoffradikale erzeugt, die mindestens um den Faktor 1000 reaktiver als alle üblicherweise verwendeten Oxidationsmittel sind. Zudem wird der Oxidationsprozess durch die Wirkung des Schalls (Aufschließen der Biomasse) unterstützt. Das bedeutet, dass dieser Reaktor in der Praxis ca. 20-30% effektiver arbeitet als herkömmliche Oxidationsverfahren, d. h. aber auch, dass die Anlage ohne chemische oder elektrolytische Behandlung betrieben wird. Systeme dieser Auslegung und Leistungsfähigkeit sind so bisher nicht kommerziell verfügbar.
In das Zukunftsprogramm Wirtschaft fließen im Zeitraum 2007 – 2013 rund 752 Millionen Euro für die wirtschafts- und regionalpolitische Förderung in Schleswig-Holstein. Mehr Informationen im Internet unter www.zukunftsprogramm.schleswig-holstein.de