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BALCOSIS
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BALCOSIS (Baltic ALgae COmmunity AnalySIs System) ist ein Bewertungsmodell für Makrophyten (Makroalgen und höhere Pflanzen). Es wurde von der Universität Rostock, Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie in den Jahren 2004–2006 konzipiert und von MariLim GmbH von 2006–2008 überarbeitet, ergänzt und in seiner jetzigen Form hinsichtlich Struktur, Bewertungsmatrix und Monitoring vollendet.

Das Modell ist ausschließlich für die äußeren Küstengewässer der Ostsee (Gewässertyp B3) gültig und kombiniert die Bewertung von Weichboden- und Hartbodenvegetation. BALCOSIS konzentriert sich dabei auf die drei wesentlichen Vegetationselemente der Ostsee: Seegraswiesen, Fucus-Phytal und Rotalgenphytal. Für jedes der Vegetationselemente wurden verschiedene Bewertungsparameter erarbeitet und für jeden Parameter ein separates, 5-stufiges Bewertungssystem entwickelt. Dies erlaubt eine Einschätzung, ob bestimmte Vegetationselemente bzw. Parameter unterschiedlich auf anthropogene Beeinflussung reagieren.

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Seegraswiesen

Seegraswiesen stellen die typische Weichbodenvegetation der äußeren Küstengewässer dar. Sie werden in der westlichen Ostsee von einer Art, Zostera marina (Gemeines Seegras), gebildet. Andere höhere Pflanzen wie Zostera noltii (Zwergseegras), Ruppia spp. (Meersalden) oder Zannichellia palustris (Teichfaden) kommen in den äußeren Küstengewässern nur in sehr geringen Beständen vor und wurden deshalb bei BALCOSIS nicht berücksichtigt. Als Bewertungsparameter für Seegraswiesen wurden folgende Faktoren definiert:

  • die Tiefengrenze von Zostera marina und
  • das Biomasseverhältnis opportunistische Algen/Gesamtbiomasse
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Fucus-Phytal

Das Fucus-Phytal stellt die typische Hartbodenvegetation des oberen Sublitorals in den äußeren Küstengewässern dar. Es wird in der westlichen Ostsee von den zwei ArtenFucus vesiculosus (Blasentang) und Fucus serratus (Sägetang) gebildet. Die Art Fucus evanescens tritt seit Ende der 1980er Jahre in Erscheinung, wird aber als Neophyt für die Bewertung nicht berücksichtigt. Da bisher die Kennzeichen für eine invasive Art fehlen, wird sie auch nicht „negativ“ bewertet. Als Bewertungsparameter für das Fucus-Phytal wurden wurden folgende Faktoren definiert:

  • die Tiefengrenze von Fucus spp. (F. serratus und F. vesiculosus)
  • das Bedeckungs (= Dominanz)-verhältnis Fucus spp./Gesamtbedeckung
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Rotalgen-Phytal

Das Rotalgen-Phytal stellt die typische Hartbodenvegetation des unteren Sublitorals in den äußeren Küstengewässern dar. Es wird in der westlichen Ostsee von verschiedensten Rotalgenarten gebildet; vornehmlich sind die Arten Furcellaria lumbricalis (Gabeltang), Coccotylus truncatus (Gestieltes Rotblatt), Delesseria sanguinea (Blutroter Meeresampfer) und Phycodrys rubens (Roter Eichentang) daran beteiligt. Als Bewertungsparameter für das Rotalgen-Phytal wurden wurden folgende Faktoren definiert:

  • die Artenreduktion (im Vergleich zu einer Referenzartenliste mit stetigen, charakteristischen Arten des Rotalgen-Phytals)
  • das Biomasseverhältnis Furcellaria lumbricalis/Gesamtbiomasse
  • das Biomasseverhältnis opportunistische Algen/Gesamtbiomasse

Bewertung

Die Erarbeitung einer Tiefengrenze für das Rotalgen-Phytal erwies sich als nicht praktikabel, da tieferliegende Hartsubstrate zu selten sind. Bevor eine Lichtlimitierung der Rotalgen festzustellen ist, tritt in der Regel eine Substratlimitierung ein, die nicht bewertungsrelevant ist. Grundsätzlich sollten die oben beschriebenen Parameter (Ausnahme Tiefengrenzen) immer in den repräsentativen Tiefenbereichen der jeweiligen Vegetationselemente bewertet werden. Auf eine fest definierte Tiefe kann auf Grund der fleckenhaften Verteilung der Hartsubstrate und des unterschiedlichen Expositionsgrades an den Messstationen nicht zurückgegriffen werden. Die repräsentativen Tiefenbereiche jeder Messstation sind vor der Beprobung deshalb zu bestimmen.

Insgesamt stehen damit sieben verschiedene Bewertungsparameter zur Verfügung. Diese müssen abschließend zu einem Endwert, dem EQR-Wert (Ecological Quality Ratio) kombiniert werden (siehhe Abbildung unten). Da es sich bei den Bewertungsparametern um sehr unterschiedliche Messgrößen handelt, müssen die Ergebnisse vor der Verrechnung auf ein Intervall von 0–1 normiert werden. Da die Tiefengrenzen durch die historische Datenlage besser abgesichert sind als die übrigen Parameter, für die oft nur qualitative historische Aussagen zur Verfügung standen, werden sie bei der Endbewertung stärker berücksichtigt (2-fache Gewichtung). Der Endwert (EQR-Wert) wird als Median von somit neun Bewertungsergebnissen gebildet. Die Modularität des Systems erlaubt die Auswechslung oder das Weglassen einzelner Parameter ohne das gesamte Bewertungsmodell außer Kraft zu setzen.